Google Ngram: Wahnwichtel benutzen Nazi-Kampfbegriffe

Googe Ngram-Analyse verschiedener Kampfbegriffe
Googe Ngram-Analyse verschiedener Kampfbegriffe

Auf publikative.org erschien vor kurzem der hervorragende Artikel „Die ‚Lügenpresse‘ – ein Begriff und seine Geschichte“, der mit Hilfe des Google Ngram Viewer die Verwendung und Häufigkeit dieses Begriffes in der deutschen Literatur im Laufe der Zeit veranschaulicht hat. Dabei fiel auf, dass er vor allem in Zeiten auftauchte, in denen es starke völkische und nationalistische Bestrebungen in Deutschland gab, sprich 1. Weltkrieg und 3. Reich.

Mit diesem Tool haben wir nun einmal die Häufigkeit einiger anderer Lieblingsschlagworte der Wahnwichtelfront (v.a. Demagogen wie Elsässer und Ken Jebsen) und ihr Auftreten in der deutschen Literatur untersucht. Auch hier fällt eine besondere Häufung dieser Begriffe in der Zeit von 1930 bis 1945 auf. Das soll nun nicht unbedingt heißen, dass diese Wörter reine Nazi-Begriffe sind, die Signifikanz ist allerdings verblüffend. Auffallend ist auch ein erstes Maximum um die Zeit der Machtergreifung Hitlers herum (1932-34), die nochmal stark ansteigende Häufigkeit während des Zweiten Weltkrieges sowie der starke Rückgang mit dem Ende des Dritten Reiches. Zu beachten ist hierbei auch, dass die Datensätze bei Google Books die schlimmsten Propagandawerke der Nationalsozialisten gar nicht beinhalten.

Worte als Waffen

Ansonsten verweisen wir bei der Interpretation sehr gern auf oben genannten Artikel, in dem es unter anderem heißt:

„Ein zentrales Merkmal dieser Rhetorik ist argumentationsfreie und -verweigernde apodiktische Behauptung, das Verkünden (nicht Begründen!) von Wahrheiten, die stumpfe, permanent wiederholte Aufladung von Begriffen jenseits aller Differenzierung, die Umdeutung von Begriffen zu Kampfbegriffen.

“Diesem Grundsatz”, so der Historiker Joachim Fest, “entsprachen die Forderungen nach größter Primitivität, nach einfachen, schlagwortartigen Parolen, ständigen Wiederholungen, die Wendung gegen jeweils nur einen Gegner sowie der apodiktische Ton der Reden, die sich ‘Gründen’ oder ‘Widerlegungen anderer Meinungen’ bewusst versagte.”
Und Victor Klemperer schon 1947 über die Lingua Tertii Imperii: ‚Der Nazismus glitt in Fleisch und Blut der Menge über durch die Einzelworte, die Redewendungen, die Satzformen, die er ihr in millionenfachen Wiederholungen aufzwang, und die mechanisch und unbewusst übernommen wurden. (…) Das ‘Dritte Reich’ hat die wenigsten Worte seiner Sprache selbstschöpferisch geprägt, vielleicht, wahrscheinlich sogar, überhaupt keines. Die nazistische Sprache weist in vielem auf das Ausland zurück, übernimmt das meiste andere von vorhitlerischen Deutschen. Aber sie ändert Wortwerte und Worthäufigkeiten, sie macht zum Allgemeingut, was früher einem Einzelnen oder einer winzigen Gruppe gehörte, sie beschlagnahmt für die Partei, was früher Allgemeingut war, und in alledem durchtränkt sie Worte und Wortgruppen und Satzformen mit ihrem Gift, macht sie die Sprache ihrem fürchterlichen System dienstbar, gewinnt sie an der Sprache ihr stärkstes, ihr öffentlichstes und geheimstes Werbemittel.'“

Um in unserem Diagramm die unterschiedliche Häufigkeit der Begriffe zu berücksichtigen, ist das Diagramm auf die relative Häufigkeitsverteilung normiert.

Die Datensätze finden sich hier:
Volk: http://tinyurl.com/m5gyafy
Nation: http://tinyurl.com/ksxtazt
Ostküste: http://tinyurl.com/q7jrlr7
Zionisten: http://tinyurl.com/l8nnc3c
Hochfinanz: http://tinyurl.com/k3daj4y
Zinsknechtschaft: http://tinyurl.com/ks5l5ym
Finanzdiktatur: http://tinyurl.com/mqhf43f

Interessant sind auch die Kurven für die gern verwendeten Begriffe wie „deutschfeindlich“, „antideutsch“, „Zins“, „Verschwörung“ usw., die wir aus Übersichtlichkeitsgründen weggelassen haben.

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