Daniele Ganser: ‚Friedensforscher‘ und Verschwörungsfreak

Daniele Ganser ist ein Populist im Forscher-Gewand
Daniele Ganser ist ein Populist im Forscher-Gewand

„Wie manipuliert sind wir?“ Eine spannende Frage. Zwei Experten aus dem Umfeld von KenFM sollen sie am 29. Mai bei einer Vortragsveranstaltung der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Freising beantworten. Als Hauptredner soll der Schweizer „Friedensforscher“ und Verschwörungstheoretiker Daniele Ganser auftreten. Der Autor des Buches „NATO-Geheimarmeen in Europa“ gilt in der Verschwörungsszene als geradezu allwissender Wissenschaftler und äußert sich zu allen anfallenden Themen. Er ist unter anderem ein regelmäßiger Interviewgast bei Ken Jebsen und RT Deutsch, nicht zuletzt trat er gemeinsam mit Jürgen Elsässer und dem ehemaligen Nazi-Terroristen Karl-Heinz Hoffmann bei einem Talk-Format von Elsässers Compact-TV auf [2].

In zahllosen Interviews mit Alternativ- und Mainstreammedien hat Ganser immer wieder behauptet, dass hinter aktuellen Ereignissen mysteriöse Verschwörungen stecken könnten – und letztlich… womöglich… vielleicht… alles von der NATO gesteuert sein könnte. Terroranschläge wie der 11. September 2001 oder jüngere Attentate in Frankreich könnten… womöglich… vielleicht… „False-Flag“-Operationen gewesen sein, also von Geheimdiensten inszeniert, raunte Ganser.

Daniele Ganser – der umstrittene Historiker

2014 trat er unter anderem bei der „AZK-Konferenz“ des Schweizer Sektengründers Ivo Sasek auf. Einige Monate später gehörte Ganser neben Andreas Popp und Gerhard Wisnewski zu den Rednern eines „Quer-Denken-TV-Kongresses“, organisiert vom rechten Verschwörungsideologen Michael Vogt. Im Oktober 2015 scheiterten lokale Vertreter von SPD, Grünen und Piraten mit dem Versuch, einen Vortrag Gansers an der Universität Witten/Herdecke zu verhindern [3].

Mittlerweile sind diverse renommierte Vertreter akademischer Institutionen in der Schweiz und in Deutschland auf Distanz zu dem eigenwilligen Herrn gegangen [4]. Der deutsche Politologe Markus Linden bezeichnet Ganser als „Meister des Subtextes“ [5], weil sich seine Argumentationen inhaltlich kaum von den in der Truther-Szene üblichen unterscheiden, er sich jedoch subtiler auszudrücken weiß. Im Vorprogramm der Freisinger Veranstaltung Ende Mai soll die Doku „Die dunkle Seite der Wikipedia“ von Markus Fiedler gezeigt werden, in der der Biologielehrer und Freizeit-Filmemacher behauptet, die Online-Enzyklopädie würde von finsteren Mächten kontrolliert. Der Film wurde im Oktober 2015 in Kooperation mit KenFM im Netz veröffentlicht [6].

[Update 18.5.: Die Veranstaltung wurde laut AKB abgesagt.]

Foto: Daniele Ganser (li.) und Ken Jebsen

[1] https://www.facebook.com/events/1685157605080678/
[2] https://youtu.be/8BbKfJInoT4
[3] https://www.psiram.com/ge/index.php/Daniele_Ganser
[4] http://www.schweizamsonntag.ch/…/…/die_ganser-verschwoerung/
[5] http://www.huffingtonpost.de/…/rechte-medien-wutbuerger_b_8…
[6] https://youtu.be/wHfiCX_YdgA

Ähnliche Artikel: