Viel Platz zum Tanzen: “Pax Terra” zieht nur wenige Besucher an

Kein Besuchermagnet: das Festival 'Pax Terra Musica'
Kein Besuchermagnet: das Festival 'Pax Terra Musica'

Mit dem Musik-Festival ‚Pax Terra Musica‘ wollten Personen aus der rechtsoffenen ‚Neuen Friedensbewegung‘ ein breites Publikum ansprechen. Das ist nicht gelungen. Doch ein Zufall könnte die Organisatoren zumindest vor der finanziellen Pleite gerettet haben.

Im Vorfeld hatten die Festival-Macher um den Mahnwachen-Moderator Malte Klingauf mit bis zu 6.000 Besuchern gerechnet. Ein optimistischer YouTube-Trailer zeigte tanzende Massen – in Stockvideos von anderen Festivals. [1] Doch die Erwartungen mussten bald nach unten korrigiert werden. Die Event-Seite auf Facebook zählte zuletzt knapp über 1.200 Zusagen (solche Angaben sind in der Regel deutlich höher als die tatsächlichen Teilnehmerzahlen). [2] Am Wochenende zeigten Fotos der Veranstalter dann auch vor allem eines: viel freie Fläche. [3] Das fiel auch den den Machern selbst auf. Ab Samstag wurden keine Panorama-Aufnahmen mehr hinzugefügt. Auf dem Live-Video eines Besuchers sind maximal 500 Personen vor der Hauptbühne zu sehen. [4]

Friedensfreunde im Visier der „Lügenpresse“?

Auch Journalisten der RBB-Sendung „Brandenburg Aktuell“ beobachteten nur wenig Andrang auf dem Gelände. Im kurzen Bericht wurde jedoch gezeigt, dass die Verschwörungsmedien „NuoVio.TV“ und „Free21“ tatsächlich vor Ort waren. [5] Diese Websites verbreiten unter anderem die rassistische Mär, dass die Flüchtlingskrise von globalen Eliten inszeniert wurde, um Deutschland zu schaden. Ihre Beteiligung hatte im Vorfeld Kritik provoziert. [6] Der Pax-Terra-Pressesprecher Mathias Tretschogg reagierte mit einer gängigen Strategie der Verschwörungsszene. Auf den Inhalt der Kritik ging er nicht ein. Stattdessen griff er die Berichterstattung des RBB als „unseriös“ an, weil sie die Kritik thematisierte. Allein die Tatsache, dass „Brandenburg Aktuell“ das Festival als „umstritten“ bezeichnet hatte, machte die Sendung in Tretschoggs Augen zum Teil einer Diffamierungskampagne. Wer hinter dieser angeblichen Kampagne stehen soll und warum die Friedensfreunde attackiert werden, verriet der Sean Spicer der Mahnwachen-Bewegung nicht. [7]

Das Konzept: eine Milchmädchenrechnung

Die Veranstalter gaben sich dennoch fröhlich und unbeschwert. Auf ihrer Facebook-Seite benannte ein Admin die aktuelle Besucherzahl am Sonntag als „vorsichtig geschätzt weit über 1.500“ – genau könne man das nicht wissen. [8] Das ist erstaunlich, denn eigentlich sollte der Veranstalter einen Überblick darüber haben, wie viele Karten er verkauft hat. Nicht zuletzt, weil er für die Sicherheit der Besucher verantwortlich ist. Der Verdacht liegt nahe, dass die Pax Terra Musica gGmbH von ihrer brisanten Situation ablenken wollte. Das Gelände allein kostet 20.000 Euro, die Hälfte davon wurde im Vorfeld durch Crowdfunding eingenommen, effektiv vor allem durch Kartenvorverkauf. [9] Fehlplanung dürfte für weitere Kosten sorgen, zum Beispiel die überdimensionierte Hauptbühne. Selbst wenn einige der Musiker aus Solidarität auf ihre Gage verzichten sollten, dürfte die Bilanz eher schlecht aussehen.

Doch am Ende könnte bloßer Zufall den Totalbankrott verhindert haben. Am Freitag wurde das ‚Second Horizon‘ Festival in Kiekebusch bei Schönefeld (Dahme-Spreewald) vom Verwaltungsgericht untersagt. Vorausgegangen war ein Rechtsstreit um das Sicherheitskonzept. Im vergangenen Jahr hatte es einen Todesfall auf dem beliebten Elektro-Festival gegeben. [10] Da Niedergörsdorf nur etwa eine Stunde Fahrzeit entfernt liegt, verschlug es einen Teil der etwa 2.000 enttäuschten Second-Horizon-Besucher letztlich zum „Pax Terra“. [9] Ob diese unerwarteten Einnahmen genügen werden, um die Lücke zwischen den überschwänglichen Erwartungen der Festival-Macher und der ökonomischen Wirklichkeit zu schließen, wird sich erst noch zeigen. Nur eines ist sicher: Die Organisatoren werden das Debakel so oder so als vollen Erfolg präsentieren.

Folge der Kentrail-Verschwörung auf Facebook und Twitter.

Anmerkungen

[1] YouTube-Trailer „Frieden kann so geil sein!“ vom 03.03.2017.

[2] Pax Terra Event-Seite.

[3] Fotos der Veranstalter.

[4] Video der Verschwörungsseite „Eingeschenkt.TV“.

[5] rbb Fernsehen: Brandenburg aktuell am 24.06.2017 (nicht mehr online verfügbar).

[6] Kentrail-Verschwörung am 22.06.2017.

[7] Facebook-Seite von Mathias Tretschogg am 24.06.2017. Einem Kritiker drohte Tretschog indirekt mit einer Anzeige.

[8] Facebook-Seite des Festivals.

[9] startnext-Kampagne.

[10] Berliner Zeitung vom 23.06.2017.

[11] Foto eines Pax-Terra-Besuchers.

Nachtrag: Bericht bei Heute Plus.

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