„Bus der Meinungsfreiheit“: Irre Christen auf Tour

"Bus der Meinungsfreiheit": Anti-Homo-Aktivistin Hedwig von Beverfoerde geht auf Deutschlandtour
"Bus der Meinungsfreiheit": Anti-Homo-Aktivistin Hedwig von Beverfoerde geht auf Deutschlandtour

Mit einem „Bus der Meinungsfreiheit“ wollen fundamentalistische Christen gegen Homosexuelle und die Gender Studies mobil machen. Dahinter steckt – wie so oft – die ultrakatholische Polit-Aktivistin Hedwig von Beverfoerde.

Mit immer neuen Aktionen kämpft Hedwig Freifrau von Beverfoerde bereits seit Jahren gegen die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare, Sexualkundeunterricht an Schulen und die „Gender-Ideologie“ im Allgemeinen. Die Einführung der Ehe für Alle hat sie nicht verhindern können. Sprichwörtlich bis zur letzten Minute versuchte das „Familien-Netzwerk“, eine von Beverfoerde geführte Vereinigung ultrakonservativer Christen, Abgeordnete zu einer Nein-Stime zu bewegen – unter anderem mit  Telefonterror. Es war vergebens. Doch die selbsternannten „Familienschützer“ haben bereits eine neue Idee: eine Werbetour durch Deutschland. Unterstützt wird das Projekt von einem erzkonservativen Netzwerk aus Spanien.

„Bus der Meinungsfreiheit“: Fanatismus auf Rädern

Am kommenden Mittwoch startet in München eine deutschlandweite Bustour, die vom Fundamentalisten-Netzwerk um Beverfoerde organisiert wird. In zehn Städten wollen die Aktivisten nach eigenen Angaben Werbung machen „für die Zweigeschlechtlichkeit, gegen Gender, Sexualisierung und all unsere damit verbundenen Positionen“. [1]  In den Augen der „Familienschützer“ gibt es keine Diskriminierung homosexueller und queerer Menschen. Im Gegenteil: Finstere EU-Eliten führen einen großangelegten Angriff auf die heterosexuelle Kleinfamilie, glauben sie. Sexualkundeunterricht an Schulen ist ihrer Ansicht nach Propaganda, mit der Kinder zur Homosexualität erzogen werden sollen.

Die „Bus der Meinungsfreiheit“-Tour hat ein Vorbild im spanischsprachigen Raum. Die ultrakatholische Organisation Hazte Oír aus Madrid schickte einen sogenannten „Bus der Freiheit“ für mehrere Monate durch Spanien, Mexiko und Chile. Mit der Aktion wollte die Gruppierung gegen eine angebliche „Indoktrination“ von Kindern mit der „Gender-Ideologie“ protestieren, ebenso wie gegen Abtreibung und Feminismus. Der „Bus der Freiheit“ wurde vor allem von CitizenGo getragen, einer von Hazte Oír ins Leben gerufenen Online-Plattform, die Petitionen für die religiöse Rechte organisiert. Die homophobe Kampagne löste massive Proteste aus. [2]

Hazte Oír und CitizenGo: ein radikales Netzwerk

Das europaweit aktive Netzwerk hinter Hazte Oír und CitizenGo nutzt virale Social-Media-Kampagnen, um seine politischen Gegner anzugreifen. 2014 initiierte CitizenGo eine Hetz-Kampagne gegen die EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek. Die österreichische Grünen-Politikerin lebt offen lesbisch. Sie hatte den Hass der Fundamentalisten auf sich gezogen, als sie einen Entschließungsantrag zur „Bekämpfung von Homophobie und Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität“ ins Europaparlament einbrachte. Daraufhin wurde Lunacek mit homophoben Hate-Mails bombardiert. [3]

CitizenGo hat mittlerweile einen deutschsprachigen Ableger, der offenbar im Dunstkreis von Beverfoerde betrieben wird und auch an dem aktuellen Busprojekt beteiligt ist. Auf der Website werden Online-Unterschriften zu einschlägigen Themen gesammelt. Die Petitionen tragen Titel wie „Wehret den Anfängen – gegen Porno und Erotik-Abteilungen im Einzelhandel!“, „Keine Sex-Lobbygruppen in Sachsens Schulen!“ oder auch „Pampers soll sich von Gender-Ideologie distanzieren“.  Dazu gibt es immer wieder Beiträge mit antimuslimischer Ausrichtung. [4]

Der „Bus der Meinungsfreiheit“ ist also auch eine Werbeaktion für diese Plattform. Mit Gegenprotesten linker und queer-feministischer Gruppen ist zu rechnen. Wo genau er Hass-Bus Station machen wird, wurde daher noch nicht bekanntgegeben. Vor Ort werden Kundgebungen und Infostände organisiert. Bekannt ist bereits, dass die Tour am 15. September in Berlin endet. Das ist praktisch, denn so können die Teilnehmer gleich am nächsten Tag beim „Marsch für das Leben“ mitmarschieren. Die alljährliche Großdemonstration gegen Abtreibung ist ein fester Kalenderpunkt für die christlich-fundamentalistische Szene. [5]

Angriff auf die Familie?

„Familienschützer“ wie Beverfoerde stellen sich gegen gesellschaftliche Liberalisierung und gegen Gleichberechtigung – sie sind eine reine Anti-Bewegung. Dennoch versuchen sie, sich den Anstrich einer positiven Aussage zu geben und inszenieren sich als Bewahrer und Beschützer angeblich bedrohter Werte. Mit der Überhöhung der „Familie“ wollen die ultrakonservativen Polit-Aktivisten kaschieren, dass es ihnen eigentlich um den Erhalt von Privilegien geht. Ihr Ziel ist es letztlich, die Ungleichheit in der Gesellschaft zu erhalten und, wenn möglich, sogar zu verschärfen. [6]

Update 08.09.17: Alle Tourdaten des Hass-Busses

Mi 6.9. 15 Uhr München, Stachus
Do 7.9. 15 Uhr Stuttgart, Schloßplatz
Fr 8.9. 13 Uhr Karlsruhe, Bundesverfassungsgericht
Sa 9.9. 14 Uhr Wiesbaden, Luisenplatz
So 10.9. 13 Uhr Köln, Bahnhofsvorplatz
Mo 11.9. 16 Uhr Düsseldorf, Johannes-Rau-Platz
Di 12.9. 15 Uhr Hannover, Trammplatz
Mi 13.9. 15 Uhr, Kiel, Rathausplatz
Do 14.9. 15 Uhr, Dresden, Neumarkt
Fr 15.9. 15 Uhr, Berlin, Kanzleramt

Folge der Kentrail-Verschwörung auf Facebook und Twitter.

Anmerkungen

[1] Blog des Beverfoerde-Netzwerks „Demo für Alle“, 31.08.2017. Ein Paper der Böll-Stiftung von 2016 bezeichnet Beverfoerdes „Familiennetzwerk“ als deutsche Tea-Party.

[2] Website der Kampagne. Bericht der Tageszeitung El País, 05.03.2017. Eintrag im spanischen Wikipedia.

[3] Arte, 10.03.2017.

[4] Der deutsche Ableger von CitizenGo.

[5] Website des Veranstalters Bundesverband Lebensrecht.

[6] Zum Thema: Sammelband „AntiGenderismus“ von Sabine Hark und Paula-Irene Villa, 2015.

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