Dieses berüchtigte Hetzer-Duo will Ken Jebsen einen Preis verleihen

Neue Rheinische Zeitung Online (NRhZ-Online): Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
Neue Rheinische Zeitung Online: Herausgeber-Duo Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Das Querfront-Blog Neue Rheinische Zeitung Online will im Berliner Kino Babylon einen Preis an den Verschwörungs-DJ Ken Jebsen vergeben. Der Kultursenator Klaus Leder hat das kritisiert und wird dafür von der Aluhut-Szene attackiert. Hinter der Veranstaltung stecken zwei hasserfüllte Hetzer aus Köln.

Es hätte so schön werden können. Seit er wegen antisemitischer Äußerungen vom Radiosender Fritz entlassen wurde, betreibt Ken Jebsen eine Verschwörungsshow im Netz. Dort verbreitet er allerlei seltsame Ansichten. Das Online-Format KenFm sollte nun einen alternativen Medienpreis verliehen bekommen – im traditionsreichen Kino Babylon in Berlin-Mitte. Doch der Kultursenator Klaus Lederer (Linke) intervenierte. Das mit öffentlichen Mitteln geförderte Kino sagte die Preisverleihung ab. Die Verschwörungsszene reagiert mit wüsten Angriffen gegen Lederer. Doch hinter der Preisverleihung stecken zwei langjährige Querfront-Aktivisten, die rechtes Gedankengut verbreiten.

Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann halten sich für linke Widerstandskämpfer. Mit dem Blog Neue Rheinische Zeitung Online, der Website arbeiterfotografie.com und dem vierteljährlich gedruckten Heftchen „Das Krokodil“ attackieren sie die etablierten Medien und die Politik. Dabei greift das Hetzer-Duo aus Köln immer wieder auf offenen Israel-Hass und krude Verschwörungstheorien zurück. 2008 zum Beispiel stellte die „Arbeiterfotografie“ den Autounfall des österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider als „gezielte Tötung“ durch den israelischen Geheimdienst dar. Haider sei zum Schweigen gebracht worden, weil er den amerikanischen Irakkrieg abgelehnt hatte. [1]

Die Neue Rheinische Zeitung Online und ihre bizarre Welt

Das Hetzer-Duo verbreitet immer wieder Verschwörungstheorien, die ansonsten nur in der rechtsradikalen Szene beliebt sind. 2012 bezeichnete die NRhZ-Online die Mordtaten des rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) als „false flag operations“. Das aus Medienberichten bekannte Bekennervideo sei eine Fälschung – dahinter steckten Geheimdienste, behaupteten Fikentscher und Neumann in einem gemeinsamen Artikel. [2] Diese vollkommen unbewiesene Theorie wurde seinerzeit auch von Jürgen Elsässers Compact-Magazin und anderen ultrarechten Publikationen vertreten, etwa der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“. [3]

Im selben Jahr reisten Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann mit einer „Delegation“ von Jürgen Elsässer nach Teheran. Der Compact-Chefredakteur hetzte damals noch nicht gegen Muslime, sondern suchte im Gegenteil die Nähe von Islamisten und dem iranischen Regime. An der wirren Gruppenreise nahmen auch Yavuz Özoguz von der antiisraelischen Website „Muslim-Markt“ und das Verschwörungs-Urgestein Gerhard Wisnewski teil. [4] Ein großer Teil der Texte auf NRhZ-Online besteht aus Wiederveröffentlichungen anderer Aluhut-Medien, etwa von der nationalbolschewistischen und offen rassistischen Website „Rote Fahne“, dem israelfeindlichen Blog „Sicht vom Hochblauen“ von Evelin Hecht-Galinski oder von KenFM. Fikentscher und Neumann unterstützten auch jahrelang die „Kölner Klagemauer“, eine antisemitische Ein-Mann-Demo auf der Domplatte. [5]

Karls-Preis: ein Wanderpokal der Hetz-Medien

Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann haben offenbar ein Faible für Mogelpackungen. Die Bezeichnung „Arbeiterfotografie“ beruft sich auf sozialkritische Fotoreportagen der Weimarer Republik, mit denen das Hetzer-Duo nichts zu tun hat. [6] Die reale „Neue Rheinische Zeitung“ war eine Zeitung, die Karl Marx 1848/49 herausgab. Und der echte „Karlspreis“ wird alljährlich in Aachen für Verdienste um die europäische Integration verliehen. Mit ihrem in der breiten Öffentlichkeit unbekannten Abklatsch „Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik“ wollen sie Aluhut-Medien aus dem deutschen Sprachraum ehren. Die Szene ist klein, der Wanderpokal des Irrsinns wird von wenigen Personen hin- und hergereicht.

2014 erhielt die fanatische Israel-Hasserin Evelyn Hecht-Galinski den Karls-Preis – die Laudation hielt der Verschwörungs-DJ Ken Jebsen. In diesem Jahr werden die Rollen ein wenig verändert: Jebsen spielt den Preisträger, Hecht-Galinski gehört zu den Gratulanten. Die beiden kennen sich von Interviews bei KenFM und gemeinsamen Szene-Auftritten, etwa bei den rechtsoffenen Montagsmahnwachen. Die Veranstaltung soll im Kino Babylon am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz stattfinden. Das Kino bietet immer wieder Raum für Verschwörungs-Shows. In der kommenden Woche, am 28.11., wird dort der 9/11-Truther Daniele Ganser einen Vortrag halten zum Thema „WTC7: Feuer oder Sprengung?“. [7]

Neue Rheinische Zeitung Online: gejagt vom „Deep State“ !?

Der taz zufolge wurde die Preisverleihung vom Kino Babylon abgesagt. [8] Aber die Neue Rheinische Zeitung Online scheint daran noch nicht so recht zu glauben. Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann sehen sich – natürlich – als Opfer einer weitreichenden Verschwörung. An Termin und Ort halten sie einfach fest, offenbar pochen sie auf einen abgeschlossenen Vertrag. Diverse Truther-Medien unterstützen das verwirrte Duo mit einer regelrechten Kampagne, die dem Senat „Zensur“ vorwirft. Das Kreml-Portal „RT Deutsch“ beispielsweise bezeichnet den Berliner Kultursenator Lederer als „Anti-Aufklärer und Zensor“, der im Auftrag des „tiefen Staates“ agiere. [9]

Doch das Problem ist nicht nur der Pseudo-Journalist Ken Jebsen, sondern der Preis selbst. Fikentscher und Neumann sind Teil der deutschen Querfront-Bewegung. Sie hetzen gegen Israel, die USA und alles, was sie als westlich und demokratisch wahrnehmen. Mit ihrem Hass-Preis wollen sie der Truther-Szene eine Pseudo-Legitimität verleihen. Dafür sollten sie nirgends eine Bühne erhalten.

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Anmerkungen

[1] Arbeiterfotografie, Ende 2008Psiram zu Haider-Verschwörungstheorien.

[2]: Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, NRhZ-Online am 10.10.2012. Kurz darauf brachte NRhZ-Online einen weiteren Artikel zum Thema, Autor: der 9/11-Verschwörungstheoretiker Andreas von Bülow, 31.10.2012. Der Presserat lehnte eine Beschwerde von Neumann und Fikentscher zur NSU-Berichterstattung ab, NRhZ-Online 24.04.2013.

[3] taz vom 25.09.2013. Apabiz / NSU-Watch zu den rechten NSU-Verschwörungstheorien, 16.07.2013.

[4] Reisebericht mit dem Titel „Land der Liebe“ von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, NRHZ-Online am 02.05.2012.

[5] Die „Klagemauer“ wurde von dem 2016 verstorbenen Anti-Israel-Aktivisten Walter Herrmann betrieben, Jungle World am 28.01.2016. Dessen Erbe hat der Verschwörungstheoretiker Reza Begi angetreten, der das Projekt weiter radikalisierte und auch vor gemeinsamen Demonstrationen mit Holocaust-Leugnern nicht zurückschreckt, Hagalil am 14.02.2017.

[6] Das Kölner Projekt von Fikentscher und Neumann ist nicht zu verwechseln mit der linken Fotografen-Gruppe Arbeiterfotografie Berlin.

[7] Facebook-Veranstaltung. Website des Kino Babylon. Hintergrund zu Daniele Ganser: Die privaten Ansichten des „Friedensforschers“ sind in der akademischen Welt nicht anerkannt, Wochenzeitung (Schweiz) am 19.01.2017. Ganser tritt immer wieder vor AfD- und Pegida-nahen Organisationen sowie mit Verschwörungstheoretikern, Holocaust-Leugnern und Esoterikern auf, Tageswoche (Schweiz) am 15.03.2017.

[8] taz vom 14.11.2017.

[9] RT Deutsch am 16.11.2017.

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