Wer hat Ken Jebsen umgebracht?

Umzingelt von Feinden: Ken Jebsen
Umzingelt von Feinden: Ken Jebsen

Die umstrittene Verleihung des „Karls-Preises“ für Ken Jebsen findet im Berliner Kino Babylon statt. Das Querfront-Blog „Neue Rheinische Zeitung Online“ hat beim Amtsgericht Mitte eine einstweilige Verfügung erreicht. Die Kündigung des Mietvertrages ist damit ungültig.

Das bestätigte das Amtsgericht am Freitag gegenüber der Zeitung „Neues Deutschland“. [1] Das Kino Babylon könnte in Berufung gehen, hat jedoch den Ticketverkauf bereits wieder freigeschaltet. Die anwaltliche Vertretung des Kinos berief sich offenbar auf politischen Druck, den der Kultursenator ausgeübt habe. Außerdem sei ein geplanter Auftritt des rechtsoffenen Hip-Hop-Duos „Die Bandbreite“ nicht abgesprochen gewesen. Das Gericht ließ diese Begründung nicht gelten und verwies auf nicht eingehaltene Fristen. Das Kino muss den Vertrag nun erfüllen und die Räume bereitstellen.

Eine halbherzige Verteidigung

Es erscheint fraglich, ob eine derartig schwammige Argumentation mit angeblichem politischem und medialem Druck überhaupt Erfolg haben könnte. Schließlich sind solche Faktoren nicht Gegenstand des Vertrages und kaum genau einzugrenzen oder gar belegbar.

Im politischen Streit hat sich das Babylon jedenfalls dem Narrativ der „Neuen Rheinischen Zeitung Online“ angeschlossen. Die Herausgeber Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann versuchen seit einigen Wochen, sich selbst und den Preisträger Ken Jebsen zu Opfern angeblicher „Zensur“ zu stilisieren. Das Hetzer-Duo verbreitet im Netz seit vielen Jahren Verschwörungstheorien. Jetzt hat es den Berliner Kultursenator persönlich zum Feind erklärt.

Unterstützt wird die Kampagne von schrillen Stimmen aus der Linkspartei:

„Wen hat Ken Jebsen umgebracht?“

fragte etwa Oscar Lafontaine am Dienstag auf Facebook. Der umstrittene YouTube-Star werde wie ein Massenmörder geächtet, so die bizarre Übertreibung. Lafontaine glaubt auch zu wissen, wer dahinter steckt:

Begriffe wie „Verschwörungstheoretiker“ oder auch „Querfront“ stammen aus dem Arsenal der Geheimdienste. [2]

Dieter Dehm behauptete sogar, Angriffe auf Jebsen seien die Vorbereitung eines Atomkrieges. [3] Wolfgang Gehrcke warf unterdessen dem Vorstand der Linkspartei „stalinistische Geheimverurteilungen“ vor. [4] Auch Andrej Hunko und Alexander Neu sprangen bei. Bei all der absurden Hysterie könnte man beinahe vergessen, dass es eigentlich nur um die Verleihung eines unbekannten Medienpreises geht.

Ken Jebsen lebt!

Es gab kein Verbrechen. Ken Jebsen ist nicht Opfer eines finsteren Komplotts geworden. Die Welt wird sich weiterdrehen.

Der Kultursenator wollte weder die Veranstaltung selbst noch die Aluhut-Websites dahinter komplett verbieten. Klaus Lederer hat lediglich die Frage gestellt, ob so etwas ausgerechnet an diesem Ort stattfinden muss. Das Kino Babylon wird zwar privat geführt, erhält aber Subventionen vom Senat. Es werden dort also Steuergelder verwendet, um politisch fragwürdige Events zu ermöglichen.

Am kommenden Donnerstag werden die Anhänger von Jebsen und NRhZ um 16 Uhr auf dem Rosa-Luxemburg-Platz demonstrieren. Danach erfolgt die Verleihung des „Karls-Preises“ im Kino. Diverse linke und israelsolidarische Gruppen haben bereits in den sozialen Netzen Gegenproteste angekündigt.

Anmerkungen

[1] ND am 8.12.17.

[2] Oscar Lafontaine auf Facebook, 6.12.17.

[3] „Team Dieter Dehm“ am 5.12.17, Screenshot bei Friedensdemo-Watch.

[4] Website von Wolfgang Gehrcke am 5.12.2017.

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