Ken Jebsen lehnt „Karls-Preis“ ab, träumt vom Nobelpreis

Ken Jebsen lehnt "Karls-Preis" ab, träumt vom Nobelpreis
Ken Jebsen lehnt "Karls-Preis" ab, träumt vom Nobelpreis

Ken Jebsen ist nicht zur Verleihung des „Karls-Preises“ erschienen. Im Kino Babylon trat stattdessen der Antisemit Gilad Atzmon auf. Die Querfront gibt es nicht zu, doch ihr Frontalangriff auf den Berliner Kultursenator Klaus Lederer ist vorerst gescheitert.

Ein Preis sage immer mehr aus über den, der ihn vergibt, als den Empfänger, sagte Ken Jebsen am Donnerstagabend gegenüber dem Kreml-TV „RT Deutsch“. So zum Beispiel, als Barack Obama den Friedensnobelpreis verliehen bekam. Das sei ja auch eher „symbolisch“ gemeint gewesen, im Sinne eines Auftrags der Gesellschaft. Ganz wie beim „Karls-Preis“… Für den unbedarften Zuschauer mag der Vergleich verblüffend sein, aber der YouTube-Moderator Jebsen versuchte damit zu zeigen, in welcher Liga er gern gesehen werden würde. In der wirklichen Welt hatte er gerade eine herbe Niederlage zu verkraften, darüber sollte dieser plumpe Anflug von Größenwahn wohl hinwegtäuschen.

Eigentlich hätte Jebsen am 14. Dezember den „Karls-Preis“ im Berliner Kino Babylon annehmen sollen. Der unbekannte Medienpreis wird von einem Hetzer-Duo aus Köln verliehen und ist mit mageren 200,- Euro dotiert. In diesem Jahr versuchten die Veranstalter, mit größtmöglicher Provokation auf sich aufmerksam zu machen. Sie starteten einen Shitstorm gegen den Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und lösten einen Antisemitismus-Streit in der Linkspartei aus. In letzter Minute machte der designierte Preisträger Ken Jebsen jedoch einen Rückzieher und sagte seinen Auftritt überraschend ab. Seine Fans warteten umsonst im Regen. Er stünde nicht so gern im Mittelpunkt, ließ Jebsen via Tonaufnahme verkünden:

Dass ich heute hier nicht live vor Ort bin, dafür gibt es einen Grund: Ich hasse Personenkult. Ich mag es eigentlich auch nicht, in der Öffentlichkeit zu stehen, schon gar nicht als Privatperson. [3]

Wer Ken Jebsen und seine schrillen Auftritte kennt, konnte also eine ganz neue Seite an ihm kennen lernen. Die Aluhut-Website „Rubikon“, die Jebsen nahe steht, kritisierte die Preisverleiher. Sie hätten die „Interessen der Hauptperson des Festes“ nicht beachtet und nur an sich selbst gedacht. [4]

Rampensau Gilad Atzmon stielt Ken Jebsen die Show

Zuvor hatten die Veranstalter den britisch-israelischen Jazz-Musiker und Polit-Provokateur Gilad Atzmon eingeladen. Atzmon ist für bizarre Aussagen über das Judentum berüchtigt und sieht überall jüdische Verschwörungen. Zum Beispiel hinter einem Hochhausbrand im Greenfell Tower in London. Im Juni 2017 twitterte Atzmon ein Foto des Feuers, bei dem 71 Menschen starben, ergänzt um die bei der Alt-Right beliebte Phrase „The Goyim know“. Gemeint ist: Gojim, also Nicht-Juden, hätten von einer tieferen Verschwörung erfahren und daher hätten Juden schnellstmöglich Beweise vernichtet – etwa mit einem Feuer. Die Parole ist sarkastisch, aber unmissverständlich antisemitisch gemeint.

Im Gegensatz zu Jebsen trat Gilad Atzmon am Donnerstag tatsächlich im Kino Babylon auf. [5] Und das sogar obwohl ihm der Kinobetreiber zuvor ein Hausverbot erteilt hatte. Vielleicht fürchtete Jebsen, die Rampensau Atzmon könnte ihm beim „Karls-Preis“ die Show stehlen, und sagte deshalb ab?

Womöglich wurde ihm aber auch in letzter Minute bewusst, dass sich die in seinem Namen im Internet gestartete Kampagne gegen Klaus Lederer als Bumerang erwiesen hatte. In zahlreichen Zeitungen waren im Laufe der Woche kritische Artikel zur Querfront und zum Antisemitismus-Streit in der Linkspartei erschienen. Jebsen, der sich gern als Alternative zu den etablierten Medien inszeniert, verfolgt bekanntermaßen sehr genau die Berichterstattung über seine Person. Am meisten dürfte ihn enttäuscht haben, dass sich am Donnerstag sogar die sozialistischen Zeitungen „Neues Deutschland“ und „Junge Welt“ ungewohnt deutlich gegen die umstrittene Preisverleihung aussprachen. [6]

Die Querfront ist ins Stocken geraten

Ken Jebsen, Dieter Dehm, Wolfgang Gehrke, Alexander Neu und andere Querfrontler haben weiterhin zahlreiche Fürsprecher, sowohl in der Linkspartei als auch darüber hinaus. Doch das Debakel um den „Karls-Preis“ hat ihnen einmal mehr die Grenzen ihres Einflusses aufgezeigt. Es ist ihnen gelungen, einen Shitstorm in den sozialen Medien zu entfachen. Sogar vor Gericht konnten die Preisverleiher einen kurzen Triumph erleben. Doch die gespielte Empörung über angebliche „Zensur“ wollte am Ende nicht einmal mehr das Kino Babylon glauben. Die Absage einer Veranstaltung ist nun einmal keine Beschränkung der Meinungsfreiheit. Niemand hat ein Anrecht darauf, öffentlichen Raum und Publikum zur Verfügung gestellt zu bekommen. Der Vormarsch der Querfront ist bis auf weiteres in einer inner-linken Schlammschlacht zum Stehen gekommen. Jebsen bleibt nach seinem schmachvollen Rückzieher erstmal nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen und vom Friedensnobelpreis zu träumen. Vielleicht kriegt er den ja demnächst vom Kreml-TV verliehen.

Anmerkungen

[1] RT Deutsch am 14.12.17.

[2] Twitter am 16.06.2017.

[3] Bei KenFM als Audio und Text, 15.11.17.

[4] Rubikon am 15.12.17.

[5] Twitter am 14.06.2017.

[6] Neues Deutschland und Junge Welt, beide am 15.12.2017.

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