Provinzposse: Reichsbürger möchte Bürgermeister werden

Ex-Diener des "Imperators" will in die Politik: Heinrich Müller
Ex-Diener des "Imperators" will in die Politik: Heinrich Müller

In einer niedersächsischen Gemeinde tritt ein Reichsbürger zur Bürgermeisterwahl an. Heinrich Müller war ein Anhänger des inzwischen inhaftierten „Königs“ Peter Fitzek.

Das Saterland ist ein kleines, vom Moor umgebenes Landstück im Münsterland im Nordwesten Niedersachsens. Die Gemeinde hat etwa 13.000 Einwohner und sogar eine eigene Sprache. Am 25. Februar wird auf der Insel ein neuer Bürgermeister gewählt. Zur Wahl steht unter anderem der parteiunabhängige Kandidat Heinrich Müller. Der 58jährige gehörte zu den engen Anhängern des rechtsesoterischen Fantasiekönigs Peter Fitzek. Er hielt dem selbsternannten „Imperator“ sogar noch vor Gericht die Treue, als dessen Träume längst zerbrochen waren.

Heinrich Müller: „Ich möchte Euer Diener werden“

Jetzt tritt Heinrich Müller zur Bürgermeisterwahl im Saterland an. Gegenüber der Nordwest-Zeitung beteuerte er kürzlich, sich schon vor zwei Jahren von der Reichsbürger-Bewegung losgesagt zu haben. Doch die Lokaljournalisten wissen auch zu berichten, dass Müller noch 2017 bei mehreren Laufveranstaltungen in der Region mit einem Trikot des „Königreich Deutschland“ angetreten ist. [1]

Am vergangenen Wochenende diskutierte der Diplomingenieur, der von einer Wählergemeinschaft unterstützt wird, beim „politischen Frühschoppen im Landgasthof Dockemeyer“ mit seinen Mitbewerbern von CDU und Grünen sowie einem weiteren Parteiunabhängigen. „Ich möchte Euer Diener werden“, sagte Müller zu den etwa 70 anwesenden Wählerinnen und Wählern. [2] Immerhin: Mit dem Dienen kennt er sich aus.

Das „Königreich“ ist jetzt eine Landkommune

Der mehrfach vorbestrafte Karatelehrer und Reichsbürger Peter Fitzek hatte sich 2012 von verblendeten Anhängern zum „obersten Souverän“ seines Fantasiestaates namens „Königreich Deutschland“ krönen lassen. Weil er auf dem „Staatsgebiet“, einem ehemaligen Krankenhausgelände in Wittenberg, auch illegale Bankgeschäfte betrieb, wurde Fitzek im März 2017 vom Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt. Doch einige seiner Anhänger führen das Projekt auch heute noch als esoterische Landkommune fort. Große Geschäfte scheinen dort aber nicht mehr gemacht zu werden. [3]

Anmerkungen

[1] Kandidat suchte Nähe zu „Reichsbürgern“, in Nord-West-Zeitung online am 11.01.2018

[2] Kandidaten bringen sich in Position, in Nord-West-Zeitung online am 11.01.2018

[3] Website “Königreich Deutschland”

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