Syrien-Konflikt bringt rechte und linke „Antiimperialisten“ zusammen

Politik kann verwirrend sein: Friedensdemo am 18.04. in Berlin (Foto: © RechercheNetzwerk Berlin)
Politik kann verwirrend sein: Friedensdemo am 18.04. in Berlin (Foto: © RechercheNetzwerk Berlin)

Die Querfront aus bestimmten linken und rechten Gruppen zeigt sich beim Thema Syrien besonders offen. In Wien diskutierten „Linke und Rechte“ über „Imperialismus und Masseneinwanderung“, in Berlin demonstrierten Linke, NPD und AfD gegen die USA. 

Rechte und Linke an einem Tisch. Die Wiener Veranstalter wollten mit ihrer Diskussion am vergangenen Samstag einen „Tabubruch“ wagen. Denn die Teilnehmer bezeichneten sich im Aufruf dazu selbst als „Querfront“. Querfrontler wollen die Grenze zwischen links und rechts überwinden – und gemeinsam gegen den Westen kämpfen. Normalerweise streiten sie eine direkte Zusammenarbeit aber ab. In Wien diskutierten nun unter anderem Alexander Markovics von der rechten „Identitären Bewegung“ und Tobias Nase in aller Offenheit. [1] Letzter heißt eigentlich Tobias Pfennig und ist der Kopf der Politsekte „Antiimperialistische Aktion“.

Eine bizarre Politsekte

Die „Antiimperialistische Aktion“ marschiert in Deutschland regelmäßig bei Demonstrationen zum Syrien-Konflikt auf – mit Fahnen des Assad-Regimes. [2] Tobias Pfennig geht auch gern auf Reisen: Erst im Januar besuchte er die syrische Hauptstadt Damaskus. Ein Foto zeigt Pfennig in einer Gruppe offizieller Vertreter mit dem Diktator Baschar Al-Assad. [3] Nur wenige Wochen danach reiste eine AfD-Delegation nach Damaskus.

Pfennigs Diskussionspartner Markovics ist der Pressesprecher des eher unbekannten Suwrow-Instituts. Der Facebook-Seite des Instituts zufolge hat es sich der „Förderung des Österreichisch-Russischen Dialogs“ verschrieben. Tatsächlich verbinden Markovics  und seine Kollegen die „Identitäre Bewegung“ mit Anhängern des russischen Rechtsradikalen Alexander Dugin. Im Januar kam Dugin am Rande des von Burschenschaftern organisierten „Akademikerballs“ nach Wien. Dort trat der Russe bei einer Diskussionsveranstaltung auf, die das Suwrow-Institut mitveranstaltet hatte. [4]

Rechte und linke Syrien-Demos in Berlin

Das Thema Syrien bringt bestimmte rechte und linke Gruppen zusammen. Das zeigte sich erst am vergangenen Mittwoch in Berlin. Denn auf dem Pariser Platz demonstrierten einige Hundert Anhänger von Linkspartei und Friedensbewegung gegen die US-Luftschläge. Die Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hielt eine Rede, in der sie die Vereinigten Staaten scharf kritisierte.

Ganz ähnlich sah es zur selben Zeit am Kanzleramt aus, einen Katzensprung von der Linke-Demo. Dort demonstrierten 14 Neonazis von der NPD gegen die USA. Motto: „Kriegstreiber stoppen!“ Und nur weitere 50 Meter entfernt präsentierte sich die AfD als Friedenspartei. Vor etwa 50 Rechtspopulisten kritisierte der AfD-Bundestagsabgeordnete Karsten Hilse – ebenso wie Wagenknecht – ausschließlich die „völkerrechtswidrigen“ US-Angriffe. Aber gegen die Kriegsverbrechen des Assad-Regimes und die russischen Flächenbombardements hat keine der drei Parteien jemals demonstriert.

Beim Recherche-Netzwerk Berlin gibt es Fotos der Berliner Kundgebungen von LinkeNPD und AfD.

Anmerkungen

[1] Facebook-Posting am 23.04.18

[2] Zum Beispiel im Oktober 2015 oder im Dezember 2016

[3] Facebook-Profil von Tobias Nase/Pfennig am 09.02.2018

[4] Facebook-Foto vom 31.01.2018

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